Das Altsteirer Huhn
- Geschichte Eine Hühnerrasse aus dem deutschen Sprachraum

Noch Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in Deutschland und dem Deutschen Sprachraum überall rein gezüchtete Landhühner ohne Beimischung fremden Blutes anzutreffen. Allerdings wo man sie antraf, waren sie meist durch Inzucht und Vernachlässigung stark herabgewirtschaftet, dass es sich kaum lohnte, sie zu erhalten. Nur in einzelnen Gebieten, wo man der Geflügelzucht aus irgendwelchen Gründen besonderen Wert beimaß, waren schon damals nach einheitlichen Merkmalen gezüchtete Schläge vorhanden, die den Grundstein für die Schaffung noch heute vorhandene Rassen abgaben. Solche Rassen sind im gewissen Sinne Naturdenkmäler und haben auch als solche ihre Berechtigung, zumal sich bei ihnen Wirtschaftlichkeit und Schönheit die Waage hielten. Freilich war es ein sehr langer Weg, ehe man aus den Zufallskreuzungen und den verschiedenen Landschlägen mit einfachen Kämmen, Rosenkämmen oder Hauben, mit weißen oder roten Ohrscheiben, gelben, grünen oder blauen Läufen, unbefiederte oder befiederte Beine, alle erdenklichen Gefiederfarben, große und kleine Figuren den bestimmten Landhuhnschlag erschuf.

Bereits 1894 gab es die erste Musterbeschreibung für Altsteirer. Durch sorgfältige Auswahl und Zuchtwahl aus dem alten steirischen Landhuhn, unter sparsamer Verwendung fremden Blutes herausgezüchtet. Sie unterscheiden sich von den alten deutschen Landhühner dadurch, dass sie weiße oder fleischfarbene Beine, sehr volle Brust und sehr feines Fleisch haben. Im Bau sind beide Schläge völlig gleich. Ein kleiner Schopf bei der Henne und ein fast nur angedeutete Spitzhaube weisen darauf hin, dass zu ihrer Herauszüchtung unter anderem auch Haubenhühner verwendet wurden. Tatsächlich ist überliefert, dass schon sehr früh im Gebiet der Steiermark in Österreich Paduaner ähnliche Hühner gezüchtet wurden, die mit zur Entstehung der Altsteirer dienten.

Die Altsteirer erinnern in der Form an die altdeutschen Landhühner und stimmen auch in der Form einigermaßen mit den Rheinländern überein. Nur die Haltung der Altsteirer wurde damals leicht abfallend verlangt. Die auch in der heutigen Musterbeschreibung noch beibehalten wird. In den letzten Jahren wurden des Öfteren rebhuhnfarbige Rheinländer in die wildbraunen Altsteirer eingekreuzt, man verbesserte damit die Form und die gerade Rückenlinie aber bei den Altsteirer ging dadurch die nötige Schenkelfreiheit verloren auch die weißen Läufe haben ihre Reinheit verloren.

Altsteirer sind sehr fleißige und wetterharte Landhühner, die sich besonders für raue und hochgelegene Lagen eignen. Ihr zartes, weißes Fleisch ist saftig und wohlschmeckend. Im derzeit gültigen Standard sind 2 Farbenschläge anerkannt, wobei die wildbraune Variante am häufigsten vertreten ist, nur vereinzelt sind auch weiße Altsteirer anzutreffen. Aus verschiedenen Musterbeschreibung um die Jahrhundertwende geht hervor, dass es damals mehrere Farbenschläge gab, unter anderem: wildhuhnfarbige, rotbraune, rote, gelbe gesperberte, weiße, schwarze, gold und silberhalsige.

Der Standard der Altsteirer aus dem Jahre 1902 hat sich zum heute gültigen in nur wenigen Punkten wesentlich verändert. Dies betrifft insbesondere die Körperhaltung, einst wurde diese aufrecht und stolz getragen gefordert, im Gegensatz zu heute, wo eine nahezu waagerechte Haltung verlangt wird. Für eine höhere Bewertung sind die damaligen Forderungen der Kehllappen unvorstellbar, ( lang, schmal, dünn und hängend) heute kurz und gut gerundet. Der Kamm wurde bereits damals nicht zu groß und mit ansteigender Fahne gefordert, die Anzahl der Zacken wurde erst vor einigen Jahren angeführt.

Ein weiterer Punkt ist die Verringerung der vielen Farbenschläge auf zwei, wildbraun und weiß. Und die Züchterschaft von weißen Altsteirern ist sehr sehr klein. Durch den Vergleich solcher Aufzeichnungen der verschiedenen Jahre ist ersichtlich, dass sich die Züchter und speziell die Sondervereine an die damals erstellte Musterbeschreibung der Altsteirer halten. Diese Spezialisten stehen dafür gerade um dieses alte Kulturgut in ihrer damaligen Entstehungsform soweit wie möglich zu erhalten. Wie oft ist es schon passiert, dass durch Einkreuzungen verschiedener fremder Rassen das einstige Musterbild einer Rasse vollkommen verfälscht wurde. Ich hoffe, dass dies bei den Steirischen Hühnerrassen nicht so weit kommt.

Den Standard hier zu beschreiben nimmt zu viel Platz ein, denn dieser wurde bereits im ÖKZ veröffentlicht. Die Nachfrage wegen Bruteier, Küken und Zuchttiere wird von Jahr zu Jahr stärker, leider ist die Anzahl der Züchter nur in begrenzten immer noch zu gering. Natürlich ist diese Rasse auch nicht für jedermann zu halten, denn diese Hühner sind sehr beweglich und fliegen schon mal über den Zaun. Aber wer einen großen Auslauf besitzt hat bestimmt Freude mit Altsteirern. Für kleine Gehege sind diese temperamentvollen Tiere nicht geeignet, es wäre eine Tierquälerei sie dort zu halten. Altsteirer wollen die volle Freiheit auf grünen Flächen, wo sie sich den Größten Teil an Futter selber suchen und erst bei Einbruch der Dunkelheit den Stall aufsuchen. Will man gute Früh und Winterleger, sollte man die Frühbrut bevorzugen, da nur März- April Bruten, richtig aufgezogen, schon im Oktober zu legen beginnen. Und Wintereier sind doch besonders begehrt. Leider brüten um diese frühe Jahreszeit kaum Altsteirer so dass man auf einen Brutschrank angewiesen ist.